Grenzen

Alles hat Grenzen. Wegen Grenzen wurden Kriege geführt. Menschen setzen sich selbst Grenzen. Geduld hat Grenzen. Man setzt sich selbst Grenzen oder man geht an seine Grenzen. In jedem Bereich des Lebens und in allen Teilen der Welt gibt es Grenzen.

Was sind Grenzen?

Es sind Trennlinien. Auf einer Landkarte ist eine Grenze ein dicker Strich. Die Grenze zwischen Innen und Außen ist eine Mauer. Die Grenze zwischen Job und Privatleben ist unsichtbar. Es gibt sie also in vielen Formen, aber sie erfüllen alle den gleichen Zweck: Eingrenzen, abtrennen, limitieren.

Warum gibt es Grenzen?

Abgesehen von geographischen Grenzen haben alle anderen eine Schutzfunktion. Ich schütze mein Privatleben vor meinem stressigen Job. Ich schütze mich vor einem Konflikt, indem ich meine Geduldsgrenze ständig erweitere. Ich erwähne meine persönliche Grenze, um mir nicht mehr Arbeit aufhalsen zu lassen, als ich bewältigen kann. Die schlimmste Grenze ist aber die, die unsere Fähigkeiten und Kräfte einschränkt. „Ich kann das nicht“ ist der Punkt, an dem unsere Fähigkeit eine Grenze aufhält. „Ich gehe bis an meine Grenzen, aber mehr kann ich nicht tun.“

Ist das nicht der reine Blödsinn?

Wenn man schon bis an seine Grenze gekommen ist – warum geht man dann nicht noch den winzigen Schritt über die Linie?

Ganz einfache Gründe: Angst, Bequemlichkeit, Rücksichtnahme.

Wenn ein Pferd auf einer Wiese steht, umrandet von Elektrozaun, gemütlich auf einem Grashalm kaut, hält man es für zufrieden. Die Sonne scheint, die Wiese ist grün und saftig und der eingezäunte Bereich so groß, dass es problemlos herumlaufen kann. Aber es liegt nun mal nicht in der Natur des Pferdes in einem abgesteckten Gebiet Gras zu fressen. Früher oder später schafft es jedes unzufriedene Pferd über den Zaun. Vielleicht fängt es sich dabei einen schmerzhaften Stromschlag ein, aber das gute Gefühl wird überwiegen.

Ob es in der Natur des Menschen liegt, sich nur in einem abgesteckten Bereich zu bewegen kann man schwer sagen. Es gibt viele Leute, die glücklich sind und nicht daran denken einen Blick über den Zaun zu werfen. Sie wissen vielleicht nicht, dass dahinter noch mehr ist. Oder sie erkunden noch ihr Gebiet und haben den Zaun noch nicht entdeckt. Andere bereuen nach langer Zeit, sich dem Zaun nie genähert zu haben. Sie haben ständig die andere Seite im Auge behalten, sich jedoch nie den nötigen Ruck gegeben. Natürlich gibt es auch Menschen, die ihre Grenze überschritten haben und sich irgendwann doch wieder zurückgezogen haben. Aber diejenigen können wenigstens sagen, dass sie gesehen haben, was sich dahinter verbirgt.

Was macht man nun mit seiner Grenze?

Ausweiten, übertreten oder ignorieren? Weder noch.

Man muss da viel beachten:

  1. Natürliche Grenzen: Menschen können nicht fliegen, nicht unter Wasser atmen oder ähnliches. Damit müssen wir uns abfinden. Manche Grenzen sind unabänderlich und haben auch ihren Sinn. Eine Schmerzgrenze beispielsweise ist angeboren, aber dehnbar. Warum sollte man an dieser Grenze arbeiten? Schmerzen haben einen Sinn und sind wichtig… also nicht einfach drauf los und alle Grenzen verschieben – manche brauchen wir eben doch!

  1. Soziale Grenzen: Dass man vom Millionär schnell zum bettelnden Brückentunnelbewohner werden kann ist kein Geheimnis, aber nicht was ich meine. Ich rede von Grenzen zwischen Menschen, die sich mehr oder weniger nahe stehen. Viele trennen Freunde und Familie, Familie und Arbeitskollegen, Partner und Freundeskreis oder sogar alte Freunde und neue Freunde. Und wieso? Weil sie sich vielleicht nicht verstehen, sich streiten oder sich vielleicht gut verstehen könnten. Also kurz gesagt: Weil sie sich vielleicht benehmen wie Menschen. Schreckliche Vorstellung, also wird eine Grenze gezogen. Und wer gibt einem Menschen das Recht einen anderen auszuschließen? Jedem sollte die Möglichkeit geboten werden Kontakte zu knüpfen und Erfahrungen zu sammeln. Und es besteht immer die Gefahr, dass eine Freundschaft oder eine Beziehung an einer solchen Grenze zerbricht.

  1. persönliche Grenzen: Dazu gehören Grenzen, die Kraft, Leistung, Fähigkeiten, Wünsche, Ziele, Träume, Hoffnung oder Gedanken beschränken. Das sind die schlimmsten Grenzen. Ich sage nun, was gesagt werden muss: Persönliche Grenzen gibt es nicht. Solange es Menschen gibt, die schwere Krankheiten überwinden, die mit 90 Jahren noch einen Marathon laufen, die im Rollstuhl sitzen und eine Familie versorgen, die auf ihrem Hochzeitsfoto aus einem vernarbten und entstellten Gesicht strahlen und lächeln, als wollten sie ihr Glück mit allen teilen, die das Bild sehen – solange glaube ich nicht an persönliche Grenzen. Wer seine Kraft, seinen Willen und seine Stärke nie testet, der weiß auch nicht wie weit sie gehen. Ich behaupte Willenskraft und Stärke des Menschen haben keine Grenze, aber müssen portioniert werden. Niemand schafft es auf einmal aus einer tiefen Schlucht auf den Mount Everest, aber viele haben es in Etappen bereits geschafft.

    Grenzen, die durch einen äußeren Einfluss entstanden sind, müssen grundsätzlich aufgelöst werden. Die so genannten „bleibenden Schäden“, „Altlasten“ oder „alten Wunden“, die jeder Mensch mit sich herumträgt bilden die Grenzen. Hat man einmal eine schlechte Erfahrung mit etwas gemacht will man nie mehr an diesen Punkt kommen – zieht also eine Grenze. Wurde man einmal enttäuscht, traut man sich beim nächsten Mal weniger – die Grenze zieht sich zusammen. Behauptet jemand, man könne etwas nicht schaffen oder ein Ziel nicht erreichen, dann zieht man eine Grenze ohne es versucht zu haben. Traurig aber wahr. Schon kleinen Kindern wird der Traum vom Astronautenleben genommen, Jugendlichen wird gesagt, dass sie es mit dem Zeugnis nie zu etwas bringen, Erwachsenen wird gesagt, dass sie alles falsch machen und Senioren wird gesagt, dass sie nie etwas richtig gemacht haben. Es ist keine Kunst Grenzen zu setzen, sie zu zeigen und einzuhalten, denn die Kunst ist genau das Gegenteil. Möglichkeiten erkennen, die Altlasten vergessen und etwas wagen…

Ich könnte hier ewig weiter schreiben, aber es hat wenig Sinn. Wichtig sind das Nachdenken, das Finden der Grenze und das gute Gefühl, das man hat, wenn die Spitze des Schuhs schon auf der Linie steht.

Es gibt unendlich viele Beispiele, gute Ratschläge und kluge Sprüche über Grenzen, aber mich hat bisher erst ein Zitat wirklich berührt und angespornt über meine Grenzen zu gehen:

Wenn man eine Grenze überschreitet und sich dann umdreht und zurückblickt – ist der Ausblick phänomenal.

Eine Antwort to “Grenzen”

  1. erika Says:

    ja, das ist wunderbar. auch ich werde meine grenze überschreiten, schritt für schritt, etappa nach etappe, aber es wird gelingen. dein text gibt mut und zuversicht, danke dafür

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