Das berühmte Tüpfelchen auf dem i

neid

Das berühmte Tüpfelchen auf dem i …
…oder: Wie Erfolg zum Ende führt.

Jemand hat Erfolg. Ich bin es nicht. Wenn der Erfolg genau denjenigen heimsucht, den man eigentlich liebt, dann wird alles kompliziert. Eine Geschichte über Neid, Liebe und den Erfolg einer Zerrissenheit.

Er hat genau das, wonach ich seit Monaten suche. Sein Leben verläuft in geregelten Bahnen, meines dagegen ist täglich neu verwirrt. Ich bin täglich neu verwirrt. Vor ihm liegt eine sichere Zukunft, aber meine Pläne reichen nicht weiter als ein paar Stunden. Natürlich freue ich mich für ihn. Das macht man ja so, oder? Man freut sich für seine Lieben und gönnt ihnen das Beste vom Besten. Wenn man dabei selbst auf der Strecke bleibt ist das jedoch nicht einfach.

Geschichten und Anekdoten über das neue Highlight in seinem Leben. Neue Menschen, die nur er kennen lernen darf. Aufgaben, die er erledigen darf. Stunden jeden Tag, die er erleben darf. Pflichten, die er erfüllen muss. Probleme, die er gerne lösen will. Dagegen meine Einsamkeit, Langeweile, Hoffnungslosigkeit und Ziellosigkeit. Ich war nicht neidisch oder eifersüchtig. Ich war beides. Und das im höchsten Maße. Wie kann jemandem das Glück einfach so in den Schoß fallen und ich musste Tag für Tag dafür kämpfen? Wie konnte er nach einer winzigen Bemühung bekommen was er wollte und ich tappte noch immer im Dunkeln?

Nach den ersten Wochen wollte ich keine der Geschichten mehr hören. Ich fragte nicht mehr nach, wenn mir ein Name aus einer Anekdote fremd war und ich schreib keine Hab-einen-schönen-Tag-SMS mehr. Ich zeigte keinerlei Interesse an dem, was er Tag für Tag mindestens 8 Stunden lang erlebte. Ich fragte nicht danach und ich unterbrach ihn, wenn er begann zu erzählen. Im Gegenzug wollte ich aber auch nichts von meinem langweiligen und trostlosen Alltag erzählen. Im Vergleich zu seinem Leben sah es so nichtig aus. Ich traute mich nicht vor Mitternacht zu gähnen, denn ich hatte ja lange nicht so einen anstrengenden Tag gehabt wie er. Ich hatte diese Verpflichtungen nicht. Ich hatte aber auch nicht diese Zukunft vor mir. Keine Sicherheit.

Wochenlang würgte ich Erzählungen ab, spielte seine Karriere herunter und verschwieg meine knittrigen Bewerbungen, die mit einem Absageschreiben in den Briefkasten gestopft waren. Irgendwann redeten wir dann kaum noch. Bedrückendes Schweigen am Telefon, banale Gespräche ohne Blickkontakt, wenn wir zusammen waren. Worüber sollten wir auch reden? Ich erlebte so gut wie nichts und wollte nicht hören, was er erlebt hatte. Da blieb nicht viel übrig…

Eines Tages kam dann der erwartete Vorwurf. Ich würde mich nicht für das interessieren, was er machte. Ich wäre verschlossen und nur noch schlecht gelaunt. Das wäre der passende Zeitpunkt gewesen ihm von meiner inneren Zerrissenheit zu erzählen. Mein grenzenloser Neid, der mir die Freude über seinen Erfolg absolut verbaute. Ich hätte ihm davon erzählen könne, dass ich Zukunftsängste und finanzielle Probleme hatte. Ich hätte und hätte und hätte…

Leider war ich dazu nicht in der Lage. Eifersucht und Neid sind Gefühle und Zustände, die sich extrem schnell auf allerlei Lebensbereiche ausbreiten können. So kam es, dass ich neidisch war, weil ich nicht diejenige war, die das Thema angesprochen hatte. Ich war nicht so mutig wie er. Kein Erfolg, nichts als Neid und keinerlei Freude für den Erfolg desjenigen, den ich liebte. Und dazu kam dann auch noch die Unfähigkeit das zuzugeben. Also stritt ich alles ab. Wenn wir Frauen etwas können, dann Dinge abstreiten. Und Tatsachen verdrehen. Überzeugender als je zuvor begann ich ihm seine Fehler vorzuführen und ihm schwachsinnige Dinge an den Kopf zu werfen. In meiner Version war es nicht ich, die kein Interesse zeigte, sondern er, der verschlossen war und mir nichts erzählen wollte. Nach gefühlten 50 Streitereien, in denen ich natürlich nie erwähnte was ich wirklich fühlte, kam es dann zur Trennung. Und in meiner Welt war natürlich ich im Recht gewesen.

Nach einiger Zeit und einem geistigen Wachstum von etwa 7 Metern kann ich nun meine Fehler zugeben. Ich kann offen darüber sprechen, dass ich eifersüchtig war. Ich freue mich sogar manchmal über seinen Erfolg (und das nicht nur, weil man das so macht). Leider ist es zu spät, um an seinem Erfolg auf irgendeine Weise teilhaben zu können und ich musste einsehen, dass es zu einem nicht unbedingt kleinen Teil meine Schuld war. Es war nicht der einzige Trennungsgrund, aber ein Bestandteil und vielleicht sogar das Tüpfelchen auf dem i. Und ich war diejenige, die den Punkt über den Strich gesetzt hatte. Ein kurzes Aufsetzen des Stiftes auf dem Papier, aber doch so wichtig für das Verständnis. Ohne diesen Punkt hätte man es beim späteren Lesen vielleicht nicht verstanden und nicht daraus gelernt.

2 Antworten to “Das berühmte Tüpfelchen auf dem i”

  1. Stephanie Says:

    Ich glaube ich kann im Namen aller anwesenden Frauen bekennen, grade eine ganz brauchbare Lektion erhalten zu haben! Danke!
    Neid und Eifersucht rauben viel Energie und führen zu nix, also Mädels – auf geht’s – lasst uns diese Energie in positive Dinge stecken und unseres Glückes Schmiede werden!
    Ach, nochwas – Ich bekenne auch, dass wir den Menschen die uns wichtig sind, vielleicht öfter von unseren Gefühlen berichten sollten und es könnte sein, dass sie uns dann mit ganz anderen Augen sehen und unsere kleine Welt plötzlich ein bisschen harmonischer wird! Jaja… man lernt nie aus… und ups noch besser: man lernt sogar von KLEINEN Schwestern!
    Auf all die Fehler, aus denen wir jemals gelernt haben und die, aus denen wir noch lernen werden und auf eine geniale Zukunft, die uns mit all unserem neuen Wissen erwartet!
    hey, immer schön langsam – 7 meter sind um einiges höher als meine durchschnittliche geistige Wachstumsrate – wir wollen ja auch net zu GEISTIG-ERWACHSEN werden!!!

  2. Spotlight-on-me Says:

    Wow.

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