1. Die Hemmschwelle und das Interesse

Gedanken zu Ansbach

Nach den Vorfällen in meiner Heimatstadt rattern die Gedanken wie ein vorbeifahrender Zug.
Was bewegte Georg zu dieser Tat? Auch ich könnte jetzt spekulieren, rätseln, Nachrichten nachplappern und Killerspiele verurteilen. Ich könnte wild Leute beschuldigen ihn vernachlässigt zu haben. Ich könnte auf dem Bildungssystem rumhacken und auf die Politik schimpfen. Ich habe nichts dergleichen vor. Schuld an Geschehnissen wie diesem hat jeder. Ich meine damit jeden einzelnen Menschen. Ich meine Mütter, Väter, Freunde, Bekannte, Lehrer, Nachbarn, Computerspiele, Fernsehen, Politik, Systeme und die ganze Welt. Am meisten Schuld an der sogenannten Tragödie trägt meiner Meinung nach aber immernoch Georg selbst.

Der erste Punkt, den es anzusprechen gilt, ist die gesunkene Hemmschwelle der gesamten Gesellschaft.

Am deutlichsten zeigt sich das wohl im Fernsehen. Vor einigen Jahren wurde noch jedes „Scheiße“ weggepiept, aber heute könnte ein Nachrichtensprecher der ARD sein gesamtes Repertoire an Schimpfworten in seinen Text einbauen und der normale Bürger würde darüber schmunzeln. Diese Veränderung spiegelt sich in allen Lebensbereichen wider. Wer hat in seiner Schulzeit nicht darüber geredet einen verhassten Lehrer auf sein imaginäre Amokliste zu setzten? Wer hat nicht bei dem Gedanken an „Hurra, hurra, die Schule brennt“ gelächelt? Wer schwor bei einer ungerechtfertigten schlechten Note keine Rache? Aber wer setzte so etwas wirklich in die Tat um? Heutzutage werden die gleichen Drohungen ausgesprochen, wie früher, aber sie werden immer öfter umgesetzt. Phantasien werden ausgelebt, unterdrückte Gefühle rausgelassen und Worten folgen immer öfter Taten. Ist das nicht Zeichen genug? Vielleicht ein Ansporn sich mehr um Gefühle, Gedanken und Worte der Jugend zu kümmern….
Zuhören, Nachfragen und sich dafür interessieren wäre heutzutage angebracht. Und zwar sollte das jeder Einzelne tun. Ob Lehrer, Eltern, Freunde oder Politiker – wer hört denn eigentlich noch aufmerksam zu? Wer interessiert sich für einen Einzelnen? Und wer kennt die Hemmschwelle dieses Einzelnen?

Man kann danach immer sagen „Das hätte ich von dem nie gedacht!“. Hat jemals jemand mit „DEM“ über so etwas gesprochen? Sicherlich nicht.
Niemand spricht mit einem Amokläufer über Amokläufe. Niemand spricht mit einem Kinderschänder über Kinder. Niemand spricht mit einem Selbstmordattentäter über das Leben.

Jeder kennt solche Menschen. Aber niemand spricht darüber…

Eine Antwort to “1. Die Hemmschwelle und das Interesse”

  1. Das ist ein guter Beitrag.
    Selber nachdenken ohne Schuldzuweisung und sich für
    den-die-das neben mir interessieren.
    Ich bin vollkommen Deiner Meinung Verena.

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