2. Killerspiele

Gedanken zu Ansbach

Killerspiele

Computerspiele jeder Art sind heute eine Entschuldigung und der Grund für nahezu jede Art von Straftat. Da ich selbst einige Zeit lang die verschiedensten Spiele gespielt habe, bin ich mittlerweile auch täglich zu neuen Schandtaten bereit. Ich schieße auf Menschen, zünde alles an, was mir über den Weg läuft und sammle Münzen auf meinem Weg. Was soll denn der Quatsch?

Kein Spiel dieser Welt macht einen Menschen zu einem Straftäter. Wenn das gesamte Leben, die Welt und das Umfeld einen Menschen so weit treibt andere zu verletzen, dann kann ein Computerspiel da nichts mehr dazu beitragen. Es kann vielleicht eine Vorgehensweise vorschlagen, aber nicht die Beweggründe liefern.

Ich selbst habe so genannte Killerspiele gespielt. Ich habe auf unbekannte und maskierte geschossen. Ich habe Schwerter und Messer in Körper gestoßen, die mir absolut fremd waren. Jedoch war mir in jeder Sekunde des Mordens bewusst, dass es sich um virtuelle Figuren ohne Lebensgeschichte, Familie und Gefühle handelt. Jeder Mensch, der diesen Realitätssinn während eines solchen Spiels verliert, der hat schon vor dem Spiel bleibende Schäden gehabt. Wer in einem Spiel so aufgeht, dass er es nicht mehr von der echten Welt unterscheiden kann, dessen echte Welt kann nicht besonders gut sein. Niemand tauscht ein wirkliches Leben gegen graue, graphische Figuren mit Waffen in Händen – es sei denn, das wirkliche Leben ist noch schlechter.

Für mich war eine ganze Zeit lang „Carmageddon“ ein Ventil. In einem aufgemotzten Auto rumfahren, andere Autos zu Schrott verarbeiten, Stacheln und Zacken in Motorhauben rammen und Menschen überfahren, um Zeitpunkte zu sammeln. Blut auf Straßen verteilen, schreiende Menschen und ab und zu das Lachen meines Fahrers aus den Boxen des PCs. Das war nach einem Streit oder einem stressigen Schultag ein perfekter Ausgleich. Eine halbe Stunde Tod und Verderben, dann wieder zurück ins echte Leben. Deswegen habe ich trotzdem noch nie jemanden überfahren, damit mir im echten Leben Zeit angerechnet wird.

In einer Zeit, die von Technik und Computern regiert wird, darf man Spiele nicht überbewerten. Es ist eine Art der Freizeitgestaltung – oder sollte es zumindest sein. Kritisch wird es erst, wenn der Realitätssinn verloren geht. Dafür ist dann aber nicht das Spiel verantwortlich, sondern die Realität des Spielers.

2 Antworten to “2. Killerspiele”

  1. Laut Staatsanwaltschaft Ansbach wurden bei Georg keine Killerspiele gefundnen – lediglich „normale“ actionfilme! hm, was kann man nun für seine gestörte psyche verantwortlich machen?

    • Es geht nicht nur um den aktuellen Fall,sondern um alle derartigen Geschehnisse. Verantwortlich machen? Jeden. Lehrer, Eltern, Nachbarn, Freunde,… jeder hat seinen Teil dazu beigetragen…

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